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Glossar

Basaltext  gibt an, was der Schüler/die Schülerin nach dem Unterricht zum Thema wissen soll. In den Examensarbeiten und bei manchen Unterrichtsbeispielen ist er umfangreicher als in herkömmlichen Unterrichtsplanungen, weil er z. T. auf Unterrichtssequenzen und nicht nur Einzelstunden ausgerichtet ist sowie dem Lehrer auch die Basisinformation zum Sachgegenstand liefern soll.


Betrachtungsebene zeigt an, auf welchem Gebiet (z.B. dem der Wissenschaften Politik, Geschichte, Recht, Psychologie usw.) der Sachgegenstand behandelt bzw. beurteilt werden soll. Diesem Feld werden dann die Kategorien entnommen (z.B. Politik: Effizienz und Legitimität; Geschichte: Plausibilität; Recht: Strafbarkeit; Psychologie: Wohlbefinden).


Beutelsbacher Konsens  stellt die drei grundlegenden Richtlinien für die politische Bildung in der Schule auf: das Überwältigungsverbot (Schülerinnen und Schüler dürfen nicht mit der Lehrermeinung indoktriniert werden), das Kontroversitätsgebot (was in der Gesellschaft kontrovers behandelt wird, muss auch so im Unterricht abgebildet werden) und die Ausrichtung politischer Bildung auf die Analysefähigkeit entsprechend der Interessenslagen der Schülerinnen und Schüler.


Didaktische Zugangsweise bestimmt, auf welche Art und Weise das Lernen zum Sachgegenstand grundsätzlich organisiert werden soll. Sie ist dabei abhängig von der Struktur der zu vermittelnden Kenntnisse (und der Entscheidung für eine entsprechende Thematisierung). Im Glossar werden die didaktischen Zugangsweisen, die in den Unterrichtsbeispielen/ Examensarbeiten Verwendung finden (Differenzierung, Exemplarität, Kontroversität, Problemorientierung), erläutert.


Didaktisch-methodischer Kommentar erläutert, wie mit dem Sachgegenstand im Unterricht umgegangen werden soll, damit das, was im Basaltext beschrieben wird, sich den Schülern kann. D.h., hier wird erklärt, wie der Sachgegenstand „von draußen in die Schule kommt“. Er ist geteilt in die Darstellung der didaktischen Zugangsweise und ihrer methodischen Umsetzung.


Differenzierung wird hier als die didaktische Zugangsweise verstanden, nach der der in der Regel vereinfachte oder mit eindimensionalen Vorausurteilen behaftete Sachgegenstand in der Breite seiner Ausprägungen dargestellt wird, um ihn einem differenzierten Urteil zuführen zu können. Ein Sachgegenstand wird mit (möglichst) allen seinen Seiten gezeigt.


Diskurs wird hier als eine (ständige und öffentliche) Folge koordinativer Dialoge verstanden. „Die am Gespräch beteiligten Interaktanten bemühen sich gemeinsam um ein übergeordnetes Handlungsziel“ (Volker Pietsch), hier i.d.R. sich ein Urteil zu einem Thema zu bilden. Der Lehrer benutzt seinen Wissensvorsprung zur Begleitung und Beratung der Schüler innerhalb des Gesprächs.


Exemplarität ist die didaktische Zugangsweise, die den thematisierten Sachgegenstand durch ein anschauliches Beispiel, welches größere bzw. komplexere Zusammenhänge verdeutlicht, vermittelt.


Kategorien sind Oberbegriffe bzw. Verallgemeinerungen (Peter Massing), auf die sich die Lerngruppe verständigt hat bzw. die vom Lehrer vorgegeben sind. Sie dienen v. a. der Klassifizierung der Kriterien und können - im Unterricht transparent gemacht – den Schülern helfen, ihre Argumente zu ordnen (s. a. Betrachtungsebene) 


Kontroversität ist die didaktische Zugangsweise, die im Sachgegenstand liegende Widersprüche aus der Geschichte und Gesellschaft im Unterricht aufgreift und  deutlich macht, ohne sie aber einer (hypothetischen) Lösung zuzuführen. Kontroversität ist  als Prinzip der politischen Bildung auch zentraler Bestandteil des Beutelsbacher Konsenses. 


Kriterien sind die nach Kategorien geordneten Fragen an den Sachgegenstand, die eine differenzierte Beurteilung möglich machen. Mit ihnen erhält der Schüler eine erste Orientierung für die Urteilsbildung, ein wahlloser oder zufälliger Austausch von Argumenten kann vermieden werden.


Methodische Umsetzung  stellt dar, mit welchen Unterrichtsmethoden, d. h. sowohl Makromethoden, wie z. B. Rollenspiel, Lernen an Stationen usw., als auch Mikromethoden, also Lern- und Arbeitstechniken (vgl. Heinz Klippert), die Vorgaben der jeweiligen didaktischen Zugangsweise zur Vermittlung des thematisierten Sachgegenstandes ausgeführt werden.


Perspektive gibt an, aus wessen Sicht der Urteilende auf den Sachgegenstand schaut. Dies kann z. B. in der Gegenwart der Blick des Schülers selbst als auch der eines aktiven Politikers sein. Hier ist nicht die didaktische Perspektive, etwa zu einer Thematisierung (vgl. Walter Gagel), gemeint.


Problemorientierung ist hier als didaktische Zugangsweise und nicht als generelles didaktisches Prinzip gemeint. Angelehnt an das Begriffsverständnis von Uffelmann, wonach ein Problem „keine einfache, auf einen Sachverhalt bezogene Frage“ ist, sondern sich „durch die Verbindung verschiedener dem Fragenden verknüpfbar erscheinender Sachverhalte (Fragestellung, hier gleich Thema) und ihrer Benennung eben als Problem“ konstituiert, steht nicht das Lösen von Problemen im Blickpunkt. Es geht vielmehr um das Erkennen der Problemstruktur und das Üben von Lösungsansätzen.


Sachgegenstand  ist der historische oder politische Inhalt, der im Unterricht behandelt werden soll. Formulierungen dazu sind u.a. den Rahmenplänen zu entnehmen.


Sach- und Werturteil werden hier als Stufen der historischen Urteilsbildung (vgl. Jeismann, Rüsen) aufgefasst. Danach folgen auf die in der Erarbeitungsphase 1.) vollzogene Sichtung und Analyse der kontroversen Primärzeugnisse (Quellen) in der Urteilsphase 2.) ein Sach- und 3.) ein Werturteil. Beim Sachurteil werden auf der Ebene des historischen Gegenstandes dessen Bedingtheiten, vorhandene Vorausurteile und  zugehörige leitende Wertbegriffe reflektiert. Beim anschließenden Werturteil wird der Bezug zum gegenwärtigen subjektiven und gesellschaftlichen Normensystem hergestellt, indem heutige Wertbegriffe verdeutlicht und an den Sachgegenstand angelegt werden.


Thematisierung macht aus dem zu behandelnden Sachgegenstand (Inhalt), weil ihm eine pädagogische Zielvorstellung beigefügt wird, ein Thema für den Unterricht (vgl. Walter Gagel). Die Aufgabe der Thematisierung ist es, „die im Gegenstand implizit enthaltenden Intentionen explizit zu machen oder sie als didaktische Entscheidung dem Gegenstand hinzuzufügen.“ 


Unterrichtsreihe (auch: Unterrichtseinheit) ist eine unter einer Thematisierung stehende Zusammenfassung von Unterrichtsstunden zu einem Sachgegenstand bzw. Sachgebiet. Dabei kann eine Unterrichtsreihe zum gleichen Thema wiederum in mehrere Unterrichtssequenzen unterteilt werden. 


Unterrichtssequenz ist eine unter einer Thematisierung stehende Zusammenfassung von Unterrichtsstunden zu einem Sachgegenstand  („kleine Unterrichtseinheit“). Das Ordnungssystem „Unterrichtsstunde – Unterrichtssequenz – Unterrichtseinheit“ ist vergleichbar mit dem PC-Anwendern vertrauten Ordnungssystem „Datei – Ordner – übergeordneter Ordner“.


Urteil (politisch und historisch) ist die rational begründete Stellungnahme zu einer Fragestellung (hier im Allgemeinen Thema). Die Qualität des Urteils wird dabei durch die Sachgerechtheit der Argumente  sowie ihre Logik oder Schlüssigkeit bestimmt. Ein qualifiziertes bzw. differenziertes Urteil fällen zu können, gilt als die Grundlage, um am politischen Leben der Gesellschaft teilnehmen zu können.


Urteilsbildung ist der Prozess, in dem zu einer Fragestellung (hier i. A. Thematisierung) eine Stellungnahme entwickelt, abgegeben, begründet und reflektiert wird. Urteilsbildung bildet das Zentrum des dritten und anspruchvollsten Anforderungsbereiches der schulischen Ausbildung im gesellschaftswissenschaftlichen Aufgabenfeld. Die historische bzw. politische Urteilsbildung stellt in den Fächern Geschichte bzw. Politische Weltkunde (PW) die große Herausforderung sowohl für die Schüler als auch für die Lehrer dar. Hier  müssen fachbezogene, aber auch überfachliche Kenntnisse und Erkenntnisse (möglichst mit Hilfe von Kriterien und Kategorien) angewendet und neu vernetzt werden. Dabei sollten die jeweiligen Betrachtungsebenen und Perspektiven identifiziert, benannt und handhabbar gemacht werden. Eine qualifizierte Urteilsbildung verlangt u.a. ein großes Maß an reflektiertem Training.


Vorausurteil ist ein Urteil auf der Grundlage wenig gesicherten Wissens, durchaus vorhandener aber wenig reflektierter Kategorien (vgl. Peter Massing). Ein Vorausurteil kann als ein Urteil vor der Urteilsbildung betrachtet werden.


Vorurteil ist ein verfestigtes – kritikfestes und einwandsimmunes –Vorausurteil, bei dessen möglicher Widerlegung  Affektreaktionen drohen (vgl. Peter Massing). Ein Vorurteil kann als Vorausurteil nach fehlender oder fehlgeschlagener Urteilsbildung angesehen werden.